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Neustart mit Realismus - ohne ideologische Brille

15.01.2018     Albert Leiser

Starten wir das neue Jahr voller Zuversicht! Lassen wir unsere guten Vorsätze nicht im Januarloch verschwinden. Dieses Jahr bietet sich die Gelegenheit, die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat zu schwächen, wenn nicht zu knacken. Das ist dringend nötig, denn diese ruht sich auf ihren vermeintlichen Lorbeeren aus und verspricht für die Zukunft einfach mehr vom Selben.

Geändert haben sich nur die Schlagworte. „Stadt für alle“ heisst es jetzt beispielsweise. Wobei „alle“ vielleicht etwas gar hoch gegriffen ist, auch wenn man in den kommenden vier Jahren 10 000 gemeinnützige Wohnungen erstellen will. Wo sie hinkommen sollen und wer sie bewohnen dürfen soll, ist noch unklar. „Alle“ jedenfalls sicher nicht. Klar ist nur, dass der Steuerzahler sie berappen soll. Dazu passt, dass man sich das rote Wien als Vorbild nimmt, wo 60 Prozent der Bewohner vergünstigt wohnen. Allerdings müssten sich dann Zürcher auch punkto Wohnbedürfnisse den Wienern anpassen und sich mit engeren, dunkleren, generell bescheideneren Wohnungen begnügen. Vergessen wir das lieber.

Es ist vielmehr Zeit die ideologische Brille abzulegen und sich an eine Stadtplanung zu machen, die den Namen verdient. Wo ist Verdichtung wünschenswert, welche Infrastruktur ist dafür nötig, wie kann der Verkehr geführt werden? Optimale Lösungen sind nur möglich, wenn alle Betroffenen - insbesondere die Bevölkerung - verstehen, dass Verdichtung nicht gleichzusetzen ist mit finsteren Strassenschluchten und stets beschatteten Wohnungen. Und für die Realisierung sind alle zu berücksichtigen, denn vergessen wir nicht: Der Grossteil der Gebäude, die Zürich so lebenswert machen, wurden von Privaten gebaut. Sich zum Vorneherein auf gemeinnützige Bauträger zu beschränken, ist fehl am Platz.

Eine solche unideologische Betrachtungsweise wird sich nur durchsetzen, wenn sich die Mehrheitsverhältnisse in der Stadtregierung ändern. Es genügt nicht, Zürich ordentlich zu verwalten. Um die erreichte Lebensqualität zu erhalten und die Standortattraktivität zu erhöhen, braucht Zürich einen Neustart.