Manchmal lohnt sich der Blick über den Tellerrand. Ein Beispiel, dass gute Absichten nicht automatisch zu guten Ergebnissen führen, präsentiert sich aktuell bei unseren nördlichen Nachbarn. Eine Studie des renommierten Münchner ifo-Instituts zeigt die Trümmerlandschaft der Berliner Wohnungspolitik. Was als Experiment mit Mietendeckel und Enteignungsdebatten begann, hat sich als Bumerang erwiesen. Fünf Jahre nach dem Aus des Mietendeckels brechen in Berlin die Anzahl Neubauten und Sanierungen ein. Das Kaufpreis-Miet-Verhältnis liegt bis zu 15 Prozent unter dem Wert anderer Grossstädte. Nicht, weil Wohnen billiger wurde, sondern weil Investoren das Vertrauen verloren haben. Die Ironie dabei: Privat inserierte Mieten stiegen um 10 bis 15 Prozent über das normale Marktniveau.
Das «Berliner Experiment» zeigt: Bereits die Androhung regulatorischer Eingriffe hat einen Preis. Sie erzeugt Unsicherheit, verscheucht Kapital, lähmt den Wohnungsbau und schadet am Ende jenen, die man schützen wollte: den Mieterinnen und Mietern.
Warum erzähle ich Ihnen das? Weil die Sehnsucht nach einfachen Lösungen leider kein Berliner Phänomen ist. Auch bei uns in der Schweiz gewinnen Forderungen nach schärferen Eingriffen in die Eigentumsrechte und nach staatlicher Mietenregulierung weiter an Dynamik.
Wer bezahlbaren Wohnraum will, darf die Akteure nicht blockieren.
Natürlich ist der Wunsch nach einem raschen Schutz vor steigenden Wohnkosten verständlich. Doch die Realität zeigt: Gut gemeinte Symptombekämpfung behebt die Ursachen nicht. Staatliche Preisdiktate schaffen keinen neuen Wohnraum. Sie verhindern ihn. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen verschiebt sich die Energie vom Gestalten hin zum Verwalten. Das können wir uns angesichts der aktuellen Wohnraumknappheit nicht leisten.
Der HEV Schweiz steht für das Gegenteil des Berliner Weges. Politik gewinnt nicht durch das Schüren von Unsicherheit oder die Pflege ideologischer Fronten, sondern durch Verlässlichkeit, Stabilität und Vertrauen in die Eigenverantwortung. Wer bezahlbaren Wohnraum will, darf die Akteure nicht blockieren. Wir müssen partnerschaftliche Wege finden und jene unterstützen, die bereit sind, realen Wohnraum zu schaffen.
Lassen wir uns von den Lehren aus dem Berliner Experiment inspirieren, um in der Schweiz einen besseren, altbewährten, gemeinsamen Weg zu gehen: durch Dialog, Investitionssicherheit und den Schutz des Eigentums.

